Good Morning, Lehnitz

Anders als es der Titel vermuten lässt, handelt es sich bei „Good Morning, Lehnitz“ nicht um eine launige DDR-Kömodie a lá „Goodbye Lenin!“ oder „Kleinruppin forever“. Reichlich Ironie gibt’s trotzdem, spielt der Roman doch in den an Absurditäten reichen Jahren 1989 und 1990.
Romanheldin Tilli Albrecht, frischgebackene Buchhändlerin, entschließt sich in diesen bewegten Monaten voll neuer Freiheiten ihr Abitur nachzuholen. Und dies ausgerechnet in einer NVA-Kaserne nahe Oranienburg.
So politisch das klingt - insgesamt hat die Potsdamer Autorin Christine Anlauff aber eine recht unpolitische Geschichte geschrieben, geht es doch eigentlich um die Liebe. Auffallend ist die Genauigkeit, mit der an die Wendezeit erinnert wird: neue Worte, von „Hi“ bis „Herpes“ werden ebenso erwähnt, wie die Raps von „Snap“ oder die Geschwindigkeit, mit der Aldifilialen aus dem märkischen Boden schießen.
Da hat jemand genau hingeschaut und sich erinnert: „Good Morning, Lehnitz“ folgt den Lebensstationen seiner Autorin, über die Buchhändlerlehre bis nach Lehnitz.
Aber zurück zur Liebe: Tilli, bebrillt, schlagfertig und stets in viel zu weite Pullover gehüllt, sucht sich für ihre erste Liebe niemanden geringeres als den melancholischen Klassenschwarm Christian aus. Mit viel Geduld, Ironie und Herzenswärme beschreibt der Roman Aschenputtels Kampf um den traurigen Prinzen und lässt den Leser von Seite zu Seite um ein glückliches Ende bangen.
Ein Buch für alle, die sich an Jugendliebe und Wendezeit jenseits gängiger Klischees erinnern mögen.
Autor: Christine Anlauff
Verlag: Gustav Kipenheuer, 2005
Preis: 19,90 Euro
Anja Dworski
6 Kommentare so far
Leave a comment
Einen Kommentar hinterlassen
Zeilen und Absätze brechen automatisch um, E-Mail Adresse wird nie angezeigt, HTML erlaubt:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <code> <em> <i> <strike> <strong>