Hotel Babylon

Hinter den Kulissen eines Nobelhotels liegt nicht weniger als „ Liebe, der Tod und der ganze Wahnsinn“. So jedenfalls verspricht es das Vorwort von „Hotel Babylon“ der Journalistin Imogen Edwards-Jones.
Als Quelle ihres „Tatsachenromans“ diente der britischen Autorin ein anonymer Gewährsmann aus der Hotellerie, der es immerhin zum Direktor eines Londoner 5-Sterne-Hauses gebracht hat. Um Irritationen zu vermeiden, wird der Leser zudem sogleich auf die starke Fokussierung hingewiesen: Ereignisse und Anekdoten aus zehn Jahren Hotelerfahrung werden zu 24 Stunden verdichtet.
Genau diese Doppelschicht muss unser Hauptheld an der Rezeption hinter sich bringen. Skurrile Erlebnisse wechseln mit Phasen der Langeweile und zwischendurch hilft ein wenig Klatsch, die lange Stunden zu vertreiben. Abgründe tun sich auf, amüsante und tragische Episoden wechseln von Stunde zu Stunde: Gäste, die Minibarflaschen mit Urin auffüllen, eine Kollegin, die den Chef befriedigt, ein sterbender Gast, eine Frau, die ihren Dildo an der Rezeption verliert… Nackte Gäste und stehlende Reiche.
Hingegen: Alle Ironie wird durch die menschliche Kälte sowohl zwischen den Angestellten, als auch zwischen den Gästen erschüttert. Die zynische Art, mit der die Figuren sich der Schadenfreude und der Jagd auf Trinkgelder hingeben, lässt so manchen Schmunzler im Ansatz ersticken. Als Film wäre „Hotel Babylon“ doch eher eine wacklige Dogma-Kamerafahrt durch kühle Hotelkatakomben, statt einer typisch britischen Komödie, in der ein tollpatschiger Hughes Grant hinter der Rezeption herumhampelt. Für angehende romantisch verklärte Hotelfachmänner und -frauen und alle anderen Neugierigen eine erhellende und ernüchternde Lektüre!
Autor: Imogen Edwards-Jones
Verlag: Europa Verlag Leipzig, 2005
Preis: 17,90 euro
Anja Dworsky
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